Unter anderen? Interkulturelle Lernprozesse
20. November 2008 in Leinfelden-Echterdingen
Mehr als ein Viertel aller Kinder und jungen Menschen bis 25 Jahre in
Deutschland ist zugewandert oder hat mindestens einen Elternteil, der
zugewandert ist. Migration hat in hohem Maße zu der kulturellen Vielfalt
beigetragen, die wir heute in Deutschland vorfinden. Schon lange sind wir nicht
mehr "unter uns". Dies wird im öffentlichen Bewusstsein sehr unterschiedlich
wahrgenommen, je nach Standpunkt offen oder abweisend, neugierig oder
misstrauisch, bereichernd oder bedrohlich.
Von den Gastarbeitern bis zu den Migrant/innen heute: Deutschland macht zu
wenig Integrationsangebote. Nach wie vor gibt es politischen wie strukturellen
Nachbesserungsbedarf.
Fachkräfte in der Jugendhilfe, an Schulen, in der Erziehungsberatung und
anderen pädagogischen Bereichen begegnen in ihrem Arbeitsalltag Familien,
Kindern und Jugendlichen unterschiedlichster kultureller Herkunft und
Lebenslagen. Dabei begeben sie sich auf eine Gratwanderung: Einerseits den
Migrationshintergrund nicht zur Erklärung für jegliches Verhalten in den
Vordergrund zu stellen und andererseits genau diesen Hintergrund nicht zu
ignorieren, vor allem die damit verbundenen Ausgrenzungen, die Migrant/innen
erleben.
Für diese Gratwanderung gibt es keine Rezepte. Interkulturelle Pädagogik
gleicht einem Forschungsauftrag, interkulturelle Kompetenz entwickelt sich in
einem Prozess des neugierigen und respektvollen Fragens. Eben nicht immer wieder
spontan auf typisierende Zuschreibungen zu verfallen, erfordert vor allem die
Bereitschaft zur (Selbst-)Reflexion und den Abschied von scheinbaren
Gewissheiten über "die anderen". Was wir brauchen, ist Anerkennung: von
Differenz wie von Übereinstimmung. Dabei dürfen - bei aller Hinwendung zum
pädagogischen Auftrag – politische und strukturelle Versäumnisse und Hürden, vor
allem im Bildungsbereich, nicht vergessen werden.
Hauptvorträge
- Prof. Dr. Franz Hamburger, Mainz
50 Jahre Einwanderung - und
kein bisschen weise?
- Andreas Foitzik, Interkultureller Trainer, Tübingen I
Iman Attia,
Erziehungswissenschaftlerin, Berlin Dialog über den Umgang mit
Differenz
Thematische Foren:
- Verschieden sein – Gewinn für alle?
Interkulturelle Öffnung in
Schule und Jugendhilfe
- Erziehung in zwei Welten?
Elternarbeit im interkulturellen
Kontext
- An- oder ausgeschlossen?
Integrationspotenziale digitaler Medien
- Gesundheit – (k)eine Frage der Herkunft?
Psychische Entwicklung
von Migrantenkindern und -jugendlichen
- Born to be wild?
Jungen- und Männlichkeitskonstruktionen (die
Präsentation von Birol Mertol finden Sie links im News-Kasten)
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