Gewalt­prävention

bedeutet

  • handlungsfähig bleiben bei Konflikten und Gewalt
  • zu lernen, Konflikte konstruktiv zu lösen
  • kompetent in Deeskalation und Konfrontation zu sein
  • strukturelle Bedingungen für die Entstehung von Gewalt einzubeziehen

Information und Beratung

Lothar Wegner
Tel. (07 11) 2 37 37 14

Henrik Blaich
Tel. (07 11)2 37 37 18

(Cyber)Mobbing unter Kindern und Jugendlichen – Alarm ohne Folgen?!

Aktuell besteht die Befürchtung, dass Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie das Risiko für Cybermobbing unter jungen Menschen verschärft haben könnten. Wenn Kinder und Jugendliche vermehrt digital statt analog miteinander zu tun haben, scheint die Zunahme von digitalen statt analogen Gewalt-Formen plausibel. Dies wird mit Zahlen aus Studien belegt, die mit nicht nachvollziehbaren Kriterien vorgehen. Dazu gehört die vor kurzem veröffentlichte Studie Cyberlife III (1).

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Nicht nur die mediale Berichterstattung, sondern auch wissenschaftliche Studien vermischen leider oft verschiedene Phänomene wie Online-Konflikte oder Hate Speech in den sozialen Medien unter dem Begriff Cybermobbing. Jedoch erst mit begrifflicher Klarheit lassen sich Anknüpfungspunkte für pädagogisches Handeln finden. Alarmierende Zahlen fördern die Tendenz, die sozialen Medien statt den Umgang miteinander ursächlich für Cybermobbing anzusehen. Wir plädieren für eine sachlich fundierte Eingrenzung des Begriffs. Denn nicht jeder Übergriff ist „Mobbing“, nicht jeder Online-Konflikt ist „Cybermobbing“.

Selbstverständnis des präventiven Kinder- und Jugendschutzes

Gewaltprävention ist ein Arbeitsschwerpunkt des Kinder- und Jugendschutzes. Gewalterfahrungen gefährden die psychosoziale Entwicklung von jungen Menschen, sowohl wenn sie Gewalt erleiden als auch wenn sie Gewalt ausüben. Gewaltprävention ist ein pädagogischer Beitrag, um Gewalthandeln zu verringern oder zu vermeiden. Es bedeutet, Kindern und Jugendlichen gewaltfreie Möglichkeiten der Konfliktlösung, zur Selbstbehauptung und für Selbstwirksamkeitserfahrungen anzubieten – im analogen und im digitalen Raum!

Von Mobbing und Cybermobbing zu (Cyber)Mobbing

„Mobbing ist das wiederholte und systematische Herabwürdigen, Verletzen und Demütigen anderer über einen längeren Zeitraum, das der Befriedigung eigener Bedürfnisse dient, insbesondere nach Macht und Ansehen, das in der Gruppe eine positive Resonanz findet, vom Opfer nicht allein beendet werden kann und den Werterahmen der Gruppe verändert.“ (2)

Cybermobbing bezeichnet ein „Verhalten von Individuen oder Gruppen, die wiederholt aggressive Botschaften mittels digitaler Medien übermitteln, die darauf gerichtet sind, anderen Schaden zuzufügen.“ (3)

Mobbing und Cybermobbing finden in verschiedenen Kontexten statt: Schule, Wohngruppe, Verein, Ausbildungsplatz. Beide Phänomene sind in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen miteinander verwoben. Betroffene werden online und offline angegriffen. Die Schreibweise (Cyber)Mobbing bringt dies zum Ausdruck. 

Gravierende Folgen und unklare Datenlage

(Cyber)Mobbing ist für die betroffenen Kinder und Jugendlichen eine große Belastung und verursacht viel Leiden. Die Größenordnung von (Cyber)Mobbing ist – wie bei allen Formen von Gewalt – nicht exakt zu bestimmen. Studien kommen vor allem aufgrund unterschiedlicher Definitionen des Begriffs zu unterschiedlichen Befunden. Doch unabhängig von der exakten Größenordnung lautet unsere Botschaft: es besteht nach wie vor akuter Handlungsbedarf! Denn (Cyber)Mobbing ist nicht nur eine direkte Bedrohung für die betroffenen Personen und den Zusammenhalt einer Gruppe, sondern ebenso für den Wertekonsens und die sozialen Regeln einer Einrichtung. Wenn es nicht erkannt und beendet wird, steht das Vertrauen in die Institution auf dem Spiel.

Prävention und Intervention als dauerhafte Aufgabe von Schule und Jugendhilfe 

In Schule und Einrichtungen der Jugendhilfe müssen Konzepte für Prävention und Intervention etabliert werden. Ziel ist ein umfassendes einrichtungsbezogenes Konflikt- und Gewaltmanagement. Dafür notwendig sind regelmäßige Qualifizierungen von Fachkräften, in denen grundlegendes Wissen über das Konfliktverhalten von Kindern und Jugendlichen sowie Kompetenzen zum Umgang mit Konflikten und Gewalt thematisiert werden. Damit dies dauerhaft umgesetzt werden kann, bedarf es entsprechender Rahmenbedingungen: ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen! Nur so ist Nachhaltigkeit zu erreichen und nur so kann unserer Meinung nach (Cyber)Mobbing wirksam angegangen werden. Und auch ohne unseriös hochgetriebene Statistiken ist die Situation alarmierend genug.

Diese Stellungnahme ist eine gekürzte und veränderte Fassung des gleichnamigen Positionspapiers der Landesstellen Jugendschutz.

Autoren: Lothar Wegner und Henrik Blaich, Referat Gewaltprävention der ajs 

Quellen

(1) Bündnis gegen Cybermobbing e.V. (Hrsg.): Cyberlife III. Spannungsfeld zwischen Faszination und Gefahr, 2020.

(2) klicksafe und Konflikt-KULTUR (Hrsg.): Was tun bei (Cyber)Mobbing? Systemische Intervention und Prävention in der Schule, 2019, S. 24.

(3) Pfetsch, Jan/Müller, Christin R./Ittel, Angela: Cyberbullying und Empathie: Affektive, kognitive und medienbasierte Empathie im Kontext von Cyberbullying im Kindes- und Jugendalter. In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 9 (1), 2014, S. 24.

 


 

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Unseren Videocast zum Thema Cybermobbing

mit Henrik Blaich und Ursula Kluge finden Sie hier 

Publikationen zum Thema

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