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Kennen Sie Squid Game?
Ein Kommentar

Die Serie läuft seit dem 17.September bei Netflix und bricht schon jetzt alle Zuschauer:innenrekorde. Wenn Sie von den Spielen um ein Millionenpreisgeld (noch) nichts wissen, können Sie bei Netflix reinschauen. Oder Sie fragen Kinder und Jugendliche in Ihrer Nähe. Sie kennen meist die aktuellsten und viel diskutierten Neuerscheinungen in den Medien. Zunehmend häufen sich daher Berichte und Anfragen dazu, dass Kinder die Serie schauen und die darin gezeigten „Kinderspiele“ nachspielen. In Squid Game treten 456 Menschen in traditionellen Kinderspielen gegeneinander an. Die Besonderheit dabei: die Verlierer scheiden nicht einfach aus, sondern werden getötet.

Aus Sicht des Kinder- und Jugendschutzes

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sollte die Serie jedoch nicht reflexhaft auf die Darstellung verrohender und verwahrlosender Gewalt verkürzt werden. Wer sich mit der Serie und ihrem Hype auseinandersetzen möchte, muss sie ernst nehmen. Unter filmanalytischen, politischen und gesellschaftskritischen Gesichtspunkten ist es eine interessante und herausfordernde Erzählung, die sich anzuschauen lohnt. Sie wird auf diesen Ebenen kritisch und kontrovers diskutiert. 

Grundsätzlich entscheidet jeder Mensch für sich, was er:sie gerne schaut. Koreanische Filmerzählungen sprechen durchaus andere Sehgewohnheiten an. Für Kinder und Jugendliche gilt jedoch ganz klar: Squid Game ist für eine ältere Zielgruppe gemacht. Egal wie knallbunt und kindlich die grafische Machart daherkommt: der Inhalt richtet sich deutlich an ältere Jugendliche und Erwachsene. Darum hat sie von Netflix eine Altersempfehlung ab 16 Jahren erhalten hat. Das ist gut so, denn Squid Game ist ein rasantes Spiel um Leben und Tod, das nicht mit expliziten Gewaltdarstellungen geizt. Kinder und Jugendliche finden in der Serie aufgrund ihrer Machart unterschiedliche Reize: Cliffhanger, das Überschreiten moralischer Grenzen und schließlich ein Spielprinzip, das an den Battle-Royale-Modus eines Fortnite oder Unknown Player Underground erinnert – einen Wettkampf, den nur einer gewinnen kann. Diesen Filmplot kennen ab 12-Jährige bereits aus der Filmtrilogie „Tribute von Panem – The Hunger Games“, nur dass er in Squid Game in einer „erwachsenen“ Version erscheint. Denn im Unterschied zu den Hunger Games entscheiden sich die Teilnehmer:innen in Squid Game  (scheinbar) freiwillig zur Beteiligung an den tödlichen Spielen. Angetrieben wird der Hype unter Kindern auch dadurch, dass die Serie wichtiger Gesprächsstoff in den Sozialen Medien ist.

Trotzdem ist und bleibt Squid Game für unter 16-Jährige nicht geeignet. Netflix hält sich mit seiner Alterskennzeichnung an die Vorgaben des Jugendmedienschutz Staatsvertrages (JMStV), der für die Wahrung des Jugendmedienschutzes in Streamingportalen die Grenzen vorgibt. Allerdings wäre es wünschenswert, dass die Alterskennzeichnungen auf den Netflixseiten prominenter sichtbar und auf den ersten Blick besser erkennbar sind. 

Eltern haben die Möglichkeit, ihren Netflixaccount so einzurichten, dass Alterskennzeichnungen ausgelesen und ihre Kinder nur altersentsprechende Filme rezipieren können. Diese Möglichkeiten sollten sie kennen und nutzen. Darüber hinaus ist es wichtig, die den Alterskennzeichnungen zugrundeliegenden Kriterien zu verstehen. Nur so können Eltern Grenzen identifizieren und ihren Kindern deutlich machen. Eltern können jedoch nicht alles wissen und brauchen darum die Unterstützung und Hilfe von Fachkräften in Kita, Schule und außerschulischen Einrichtungen. Eine solche Unterstützung gibt ihnen darüber hinaus den Raum, mit anderen Eltern zu Fragen der Medienerziehung und aktuellen Herausforderungen ins Gespräch zu kommen. 

Die Auseinandersetzung mit technischen Schutzeinstellungen bietet die Möglichkeit, mit Kindern über Filme und ihre Machart zu sprechen. Dies kann, ebenso wie der aktuelle Hype um Squid Game, von erzieherisch Verantwortlichen genutzt werden, um sich mit ihnen über die Faszination von Filmen, Spielen und medialen Gewaltbildern und -handlungen auseinanderzusetzen. Dabei darf jedoch nicht nur Gewalt fokussiert werden. Kinder setzen sich mit Fragen sozialer Ungerechtigkeit und Macht auseinander. Auch das sind Themen der Serie. Darüber zu sprechen und gleichzeitig deutlich zu machen, warum sie für Jüngere nicht geeignet ist, ist für eine kritische Mediennutzung, die Schutz vor ängstigenden und überwältigenden Inhalten und Bildern bietet und die Eigenverantwortung stärkt, unverzichtbar. 

Die Aktion Jugendschutz informiert in ihren Veranstaltungen über die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen, den restriktiven und erzieherischen Jugendmedienschutz und über Gewaltprävention. 

Suchen Sie Anregungen für die medienpädagogische Arbeit mit Eltern und Familien oder möchten Sie eine medienpädagogische Veranstaltung für Eltern organisieren? Dann nutzen Sie das LandesNetzWerk für medienpädagogische Angebote der ajs und wenden sich an Ursula Kluge, die bei der Vermittlung von Referent:innen berät. 

Ursula Kluge, Fachreferat Jugendmedienschutz und Medienpädagogik


Weitere Informationen und Kommentare:

https://www.filmdienst.de/film/details/618007/squid-game#kritik

https://www.medienpaedagogik-praxis.de/2021/10/26/squid-game/

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Lust zur Zusammenarbeit?

Das LandesNetzWerk für medienpädagogische Angebote der Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Baden-Württemberg sucht interessierte und kooperationsfreudige Kolleg:innen. Das LandesNetzWerk ist ein Zusammenschluss von Fachkräften aus verschiedenen pädagogischen Feldern  der Kinder-und Jugendhilfe, Jugendsozialarbeit, Bildung. Sie haben sich in den Bereichen medienpädagogische Grundlagen, Medienwirkungs- und Mediennutzungsforschung, Aufgaben des Jugendmedienschutzes, Methoden der medienpädagogischen Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen qualifiziert.

Das LandesNetzWerk setzt sich regelmäßig in gemeinsamen Fortbildungen

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mit aktuellen medienerzieherischen Fragestellungen auseinander und hat einen guten Überblick über die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Die Zusammenarbeit basiert auf dem gemeinsamen Interesse am Thema Medienpädagogik und dem kontinuierlichen Austausch untereinander. 

Die Fachkräfte des LandesNetzWerks stehen in den in den verschiedenen Regionen Baden-Württembergs als medienpädagogische Referent:innen (Honorarkräfte) für die Elternarbeit und die Fortbildung von Fachkräften zur Verfügung. Die Zusammenarbeit im LandesNetzWerk und die Tätigkeit als Referent:in werden von der Aktion Jugendschutz seit dem Jahr 2000 unterstützt und koordiniert.

Haben Sie medienpädagogische Expertise oder Erfahrungen in der Elternarbeit? Haben Sie Interesse und Ressourcen für die Durchführung medienpädagogischer Angebote für Eltern oder Fachkräfte? Die Mitwirkung im LandesNetzWerk ist freiwillig, die aktive Durchführung von Veranstaltungen wünschenswert, die Anzahl und eingebrachte Zeit selbstbestimmt. 

Direkteinstieg bei Vorliegen der notwendigen medienpädagogischen Kenntnisse und Erfahrungen sofort möglich. Für Interessierte mit wenigen medienpädagogischen Kenntnissen bietet die ajs ab 2022 eine 6-tägige Qualifizierung an. 

Informationen und Bewerbung bei Ursula Kluge

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